40 m sind noch lange nicht genug !!!
Stell dir vor du tauchst auf 60 m, vor dir liegt ein 300 m langes Wrack, alle Bullaugen sind intakt. Im Speisesaal sind die Tische gedeckt und unberührt. Es ist hell, geräumig, buchstäblich keine Schwebeteilchen. Ein Blick auf dein Finimeter verrät, dass noch 180 bar verbleiben. Du hast noch 20 min Grundzeit um das Wrack zu erforschen, bevor du mit dem Aufstieg beginnst.
Diese Vision begeisterte drei Taucher derart, dass sie sich entschieden einen Trimix Kurs bei Eric Simgen (TDI Adv.Trimix Instructor) zu belegen.
Trimix Tauchen – das „Sesam öffne dich“ für das Tor in eine neue und faszinierende Welt. Das übliche Atemgas „Luft“ wird durch eine Mischung von Sauerstoff, Helium und Stickstoff (kurz „Trimix“ genannt) ersetzt. Je nach prozentualem Anteil der einzelnen Gase ist es möglich, nahezu jede Tiefe zu erreichen. Für uns jedenfalls vorerst mal theoretisch. Hierbei wird viel „Tauch“-Erfahrung vorausgesetzt und trotzdem ist man doch wieder nur ein Anfänger im sogenannten Technischen Tauchen. 
Ein „ Kennenlerntauchgang“ im Brecht zeigte unserem Ausbilder Eric Simgen unsere taucherischen Fähigkeiten. Eric ist selbst erfahrener und aktiver Trimix-Taucher und somit der ideale Ausbilder für dieses anspruchsvolle Seminar. Vorab wurde kritisch geprüft, ob die Grundlagen wie erforderliche Ausrüstung, Tarierfähigkeit und die allgemeine Haltung unter Wasser den Kursvoraussetzungen entsprechen. Nachdem sich alle qualifiziert hatten , folgte zunächst ein ausgedehnter Theorieabend, an dem wir unter anderem Neues über isobare Gegendiffussion, das Oxygen Window etc. erfuhren.
Einfach unglaublich ist der logistische Aufwand für solch einen Trimix-Tauchgang. Mit nicht weniger als vier 12er Doppelpakete, 13 Stages, Argonflaschen zur Anzugbelüftung zuzüglich unserem „normalen“ Gepäck machten wir uns auf den Weg zum Bodensee.
Christoph, der Besitzer der Füllstation, versorgte uns mit den notwendigen Gasen. Jetzt hieß es üben, üben, üben. Wir arbeiteten intensiv am Umgang mit zwei Stages, trainierten Ventilmanagement, exerzierten Out of Air Situation und quälten uns mit Apnoetauchen ab. Selbstverständlich in 20 m Tiefe ohne Maske, jeweils bepackt mit Doppelt 12er und 2 Stages. Es wäre gelogen zu behaupten, wir hätten keinen Stress
Nach zweimal 75 Minuten Tauchzeit im 5°C kaltem Bodensee, zog es uns magisch zum Abendessen und vor allem ins Bett. So sollte es auch kommen. Doch zwischen Abendessen und Bett ackerten wir noch mal 4 Stunden knallharte Theorie durch. Erst als den ersten die Augen zufielen hieß es:
„Ab ins Bett, wir müssen ja Morgen fit sein!“
Für den nächsten Tag war er dann geplant. Unser erster Trimix-Tauchgang:
Tiefe 50 Meter, Grundzeit 20 Minuten,
Bottom-Gas TMX 18/45 (18% Sauerstoff/45% Helium),
ab 21 Meter Dekogas 50/20 und ab 6 Meter 100 % Sauerstoff.
Laut Run Time-Tabelle sollte der Tauchgang 68 min. dauern. Die Zeitvorgabe schafften wir nicht exakt. Und erstaunt stellten wir fest, dass alle weitaus mehr Atemgas benötigten als geplant.
Diese Tatsache machte beim folgenden Tauchgang (55 Meter) noch eine dritte Stage erforderlich .
Zwischen den Tauchgängen wurde selbstverständlich nicht gefaulenzt. Wir hatten ein großes Pensum an Theorie abzuarbeiten und zwischendurch schrieben wir noch locker eine Prüfung von 2 ½ Stunden.
Folgende Woche, Sonntag früh am Bodensee: Unser abschließender Trimix-Tauchgang in diesem Kurs. Tauchtiefe 63 Meter. Grundzeit 15 Minuten.
Für diesen Tauchgang versprach uns Eric noch einen besonderen Leckerbissen . Er erzählte uns von einem Wrack in dieser Tiefe, das absolut lohnenswert ist zu betauchen. Und tatsächlich – auf 63 Meter erschien in völliger Dunkelheit umhüllt direkt vor uns der Bug. Es war ein gigantisches Erlebnis. Vor allem waren wir total klar und aufnahmefähig im Kopf. Keine Spur Tiefenrausch oder Anzeichen von Benommenheit. Ein gänzlich neues Gefühl. Trotz der darauf folgenden Deko von 40 Minuten, war dies ein absolut lohnender Tauchgang, den ich so jederzeit wiederholen würde.
Wieder an Land überraschte uns Eric ein weiteres Mal. Aus seinen Anzugstaschen kramte er 4 kleine Sektflaschen, schüttelte diese kräftig und in Rennfahrermanier bespritze er uns mit Sekt bevor er uns gratulierte und wir gemeinsam auf den erfolgreich abgeschlossenen Trimix Kurs anstießen.
Dieser Kurs berechtigt uns nun in Tiefen bis 60 Meter zu tauchen, d. h. Tauchen im Grenzbereich. Die neuen Einblicke, welche man gewinnt machen den Kurs lohnend. Das zusätzliche Wissen und die neu erlernten Fertigkeiten brachten uns drei Kursteilnehmer einen großen Schritt in unserer Tauchausbildung nach vorne.
Kursteilnehmer: Adrian Feichtinger, Volker Holthaus und Andy Ledtermann, TDI Adv.Trimix-Instruktor: Eric Simgen.
Andy Ledtermann
